Kreditzinsen

Seit bald vier Jahren belässt die Europäische Zentralbank (kurz EZB) die Kreditzinsen, bei denen sich andere Geschäftsbanken Geld leihen können, bei mehr oder weniger 1,0 Prozent. Mit ihrer Niedrig-Zinspolitik will die europäische Notenbank ein Konjunkturwachstum erleichtern; bis heute ist die Wirtschaftsleistung im Euroraum(ausgenommen Deutschland, dessen BIP 2012 um 3,4 % gewachsen ist)rückläufig bzw. mehrere südeuropäische Staaten kriegen ihre Haushaltsdefizite nicht in den Griff.

Die EZB ist aber auch der Geldwertstabilität verpflichtet und muss deshalb die Inflation unter Kontrolle halten. Steigt die Teuerungsrate auf über zwei Prozent, ist sie angehalten, geeignete Gegenmaßnahmen zu setzen. Und derzeit spricht alles dafür, dass dieser Wert im laufenden Jahr überschritten wird. Zuletzt ist die Inflationsrate auf 2,4 Prozent angestiegen, und die Währungshüter in Frankfurt rechnen für das laufende Jahr mit einer Inflationsrate zwischen 2 und 2,6 Prozent. Getrieben wird die Teuerung allerdings nicht von einer hohen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, sondern von einem Anstieg der Preise für so gut wie alle Rohstoffe und Grundprodukte, vom Erdöl über Stahl bis hin zu Zucker, Kaffee und Getreide.

So ist EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag letzter Woche nach der Sitzung des EZB-Rates vor die Presse getreten und hat den vorläufigen Verzicht auf eine Anhebung der Zinsen bekannt gegeben, aber im selben Atemzug unmissverständlich klar gemacht, dass die Zentralbank handeln wird, wenn die Inflationsrisiken anhalten. Und handeln heißt, dass die Zinsen erhöht werden, sodass Geld teurer wird, denn dies drosselt die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern und dämpft damit – wenigstens im Normalfall – die Preise. „Eine Anhebung beim nächsten Treffen am 7. April ist möglich“, sagte Trichet. Fachleute rechnen nach übereinstimmenden Berichten großer Zeitungen fest damit, dass die EZB am Unsinnigen Donnerstag nicht bloß eine Warnung ausgesprochen hat, sondern ihre Ankündigung auch umsetzen wird. Sie gehen von einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent aus. Dies könnte allerdings nicht ausreichen, um den Preisaustrieb zu drosseln. Deshalb wird damit gerechnet, dass bis Jahresende zwei bis drei weitere Leitzinserhöhungen vorgenommen werden – auf 1,75 oder gar 2,0 Prozent. Eine Anhebung der Leitzinsen um einen ganzen Prozentpunkt würde – legt man ihn auf die Kreditzinsen um – für Südtirol bedeuten, dass gewerbliche und private Kreditnehmer bis zu 180 Millionen Euro zusätzlich an Zinsen aufbringen müssen.

Allerdings nennen manche Fachleute die Gründe der EZB für eine Zinserhöhung nicht stichhaltig, und sie meinen, dass die negativen Auswirkungen eines Zinsanstiegs nicht unterschätzt werden sollten.
Einwand Nummer eins betrifft die Inflationsrate, die zwar auf über zwei Prozent gestiegen ist, allerdings nur als sogenannte Gesamtinflation, während die Kerninflation bei einem Prozent liegt. Die Kerninflationsrate schließt die Preise für Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus, da diese Änderungen unterliegen, deren Ursachen nicht innerhalb der betrachteten Volkswirtschaft, in diesem Fall innerhalb des Euroraumes, liegen. Mit anderen Worten: Eine Anhebung der Zinsen ist nutzlos, wenn die Teuerung großteils darauf zurückzuführen ist, dass die Preise für importierte Rohstoffe steigen. Der Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz etwa sieht – wie er der „Financial Times Deutschland“ erklärte – derzeit kein erhöhtes Inflationsrisiko für die Eurozone. Steigende Energie- und Rohstoffpreise würden keine echte Gefahr darstellen. Sprich: Gefährlich wird es erst, wenn höhere Kosten zu steigenden Löhnen und damit zu einer anhaltenden Inflation führen.

Einwand Nummer zwei nimmt Bezug auf die derzeitige Wirtschaftskonjunktur. Die Weltwirtschaft hat sich nach dem Schock von 2008/09 zwar wieder ordentlich erholt, doch bleibt die Lage besonders im Euroraum weiterhin angespannt. Vor allem ist sie von einer sehr unterschiedlichen Interessenlage geprägt, die auf eine unterschiedliche wirtschaftliche Dynamik zurückzuführen ist. Während Deutschland einen Zinsanstieg durchaus verkraften könnte, wäre ein höheres Zinsniveau eine Gefahr für andere Staaten, darunter für Italien, wo das Wachstum schwach bleibt und die Erholung ein zartes Pflänzchen. In den USA ließ Fed-Chef Ben Bernanke verlauten, das gegenwärtige Konjunkturumfeld rechtfertige es, den Leitzins nahe null zu belassen.
Eine weitere Überlegung spricht gegen eine nachhaltige Zinsanhebung im Euroland: Sie könnte dazu führen, dass der Euro, der seit Jahresbeginn wieder an Boden gegenüber dem Dollar gutmacht, zu stark wird, was die Exporte drosselt.

Und schwer wiegt, dass eine Erhöhung der Kreditzinsen tendenziell auch dazu führt, dass die hoch verschuldeten Staaten höhere Zinsen für ihre Schuldverschreibungen zahlen müssen. Dies könnte angesichts der angespannten Lage in dem einen oder anderen Fall ins Auge gehen. Auch das wird die EZB wohl bedenken, bevor sie handelt. Wir empfehlen http://www.kreditvergleich24.com.